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Dramatische Talfahrt der iranischen Herstellungsindustrie

Die iranische Herstellungsindustrie kämpft gegen die Auswirkungen der internationalen Sanktionen und das starke Einbrechen der Landeswährung. Am stärksten betroffen ist die Autoindustrie. mehr »


Vor der Verschärfung der internationalen Sanktionen war der Iran auf dem besten Weg,  einer der wichtigsten Auto-Exporteure der Region zu werden. Doch die Sanktionen haben in dieser Entwicklung einen enormen Einschnitt gebracht. Sie hindern ausländische Investoren daran, in diesem Bereich weiter anzulegen, erschweren den Handel von Rohstoffen und untersagen den Geldtransfer mit der islamischen Republik Iran. Die Regierung in Teheran hat lange Zeit versucht, die verheerenden Folgen der Sanktionen in der Autoindustrie zu vertuschen. Doch jetzt hat der stellvertretende Minister für Industrie und Handel, Mohsen Salehinia, im Interview mit der Zeitung Maghreb bekannt gegeben, dass der Iran in den Monaten März bis August 2012 etwa 405.000  Autos hergestellt habe. Damit hat das Land im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres (620.000) 35 Prozent weniger Autos produziert.

Die Situation in anderen Industriezweigen

Der Staat hat kaum Geld für Aufbauprojekte. Foto: khoyonline.com.

Der Staat hat kaum Geld für Aufbauprojekte. Foto: khoyonline.com.

Iranischen Medien zufolge haben die Verschärfung der internationalen Sanktionen und die schwankenden Devisenkurse in den letzten Monaten zu einer ähnlichen Entwicklung auch in anderen Bereichen der Herstellungsindustrie geführt. Die Zahl der Fabriken, deren Produktion von Tag zu Tag reduziert wird, steige erheblich, schreibt Maghreb: Autoreifen-Hersteller haben einen Verlust von 16 Prozent hinnehmen müssen, Kupferindustrie 8 Prozent, Aluminiumindustrie 3 Prozent, Waschmittelindustrie um 4 Prozent. Laut Maghreb habe selbst Speiseöl-Herstellung einen Rückgang von bis zu 12 Prozent verzeichnet.Kredite an Industriebtriebe  bleiben ausPräsident Mahmud Ahmadinedschad hatte letztes Jahr versprochen, die Regierung werde im Rahmen des neuen Gesetzes zur Lenkung und Optimierung von Subventionen, die Herstellungsindustrie mit etwa 2 Milliarden Euro unterstützen. Dem stellvertretenden Minister für Industrie und Handel, Mohsen Salehinia zufolge wurde von diesem Betrag lediglich ein Drittel freigegeben.

Nicht nur in der Herstellungsindustrie, sondern auch für die Aufbauprojekte fehlen Gelder. Jafar Ghaderi, Mitglied der parlamentarischen Kommission für Planung und Budget, sagte der iranischen Nachrichtenagentur MEHR,  die Regierung könne in diesem Jahr nur ein Viertel ihrer Aufbauprojekte realisieren.

Immer mehr Experten und Politiker kritisieren die Wirtschaftspolitik der Regierung. Nach Berichten der persischsprachigen Medien soll letzte Woche der einflussreiche konservative Parlamentsabgeordnete Ahmad Tavakoli zu den Parlamentariern gesagt haben: „Ihr wisst, dass überall Fabriken und Werkstätte Pleite gehen, aber er (der Präsident) will das nicht wahr haben“. Auch Parlamentspräsident Ali Larijani verlangt nach „mehr Engagement“ zur Rettung der heimischen Industrie.

 

Transparency for Iran

Erdöl-Einnahmen stark zurückgegangen

Die iranische Wirtschaft ist stark Erdölabhängig. Seit dem Ölembargo der Europäischen Union, das am 1. Juli in Kraft trat, ist der iranische Ölexport enorm zurückgegangen. Laut Informationen des Nachrichtenportals Entekhab sollen die Einnahmen des Iran durch den Erdöl-Export im Juli drei Milliarden US-Dollar betragen haben. Das ist ein Verlust von etwa sieben Milliarden US-Dollar gegenüber dem gleichen Monat in 2011. Der Iran war jahrelang nach Saudi Arabien der zweitgrößte Erdöl-Exporteur der „Organisation Erdölexportierender Länder“ (OPEC). Seit Juli dieses Jahres steht der Irak auf diesem Platz.  Die Erdölfördermenge des Iran lag im vergangenen Jahr bei täglich rund 3,5 Millionen Barrel. Davon wurden pro Tag  2,5 Millionen Barrel exportiert. Aktuellen Angaben zufolge liegt auch dort eine deutliche Senkung vor: im August 2012 wurden weniger als 2,8 Millionen Barrel Erdöl gefördert. Die Islamische Republik ist bemüht, neue Kunden für ihr Öl zu finden. Zurzeit verhandelt sie mit Ägypten. Dabei geht es vor allem um zwei Millionen Barrel Erdöl, die wegen der internationalen Sanktionen im ägyptischen Hafen Sidi Kerir festliegen. Ägyptens Ölminister Osama Kamal hat vergangene Woche bekannt gegeben, Kairo habe „nichts dagegen“, Rohöl aus dem Iran zu importieren und zu raffinieren.

FP

Aus dem Persischen von: Forough Hossein Pour