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Ein Blick in die virtuelle Zivilgesellschaft Irans

Mehr jugendliche Alkoholkonsumenten im Iran

Über Alkohol und Alkoholkonsumenten wird im Iran öffentlich kaum geredet. Alkoholische Getränke sind in der Islamischen Republik streng verboten. Nun aber warnen die Behörden, der Alkoholverbrauch sei 2011 drastisch angestiegen. Jährlich sollen nach offiziellen Angaben etwa 80 Millionen Liter Alkohol ins Land geschmuggelt werden. mehr »

Die Verbreitung von alkoholischen Getränken und das zunehmende Interesse in der Gesellschaft dafür zeigen, dass immer mehr Menschen  — ungeachtet der fatalen Folgen — bereit sind, jede Gelegenheit zu nutzen, um für einige Minuten fröhlich zu sein.“ Das sagte der Leiter des iranischen Sozialarbeiterverbands, Hassan Moussawie, der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. Moussawie fügte hinzu: „Im Höchstfall können die Verantwortlichen lediglich 20 bis 30 Prozent der Alkoholverbraucher aufdecken.“

Diese Warnung vor steigendem Alkoholkonsum erfolgt in einem Staat, der nach islamischem Recht Verkauf und Konsum von alkoholischen Getränken verbietet. Verbrauchern und Verkäufern drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren, 75 Peitschenhiebe und ein hohes Bußgeld.

„Behörden am Schmuggel beteiligt“

Handgemachte hochprozentige Alkoholika verursachen häufig Vergiftungen. Foto: jamejamonline.ir.

Handgemachte hochprozentige Alkoholika verursachen häufig Vergiftungen. Foto: jamejamonline.ir.

Trotzdem werden jährlich bis zu 80 Millionen Liter alkoholische Getränke im Wert von 730 Millionen Dollar in den Iran geschmuggelt. Etwa 80 Prozent davon seien 2010 über die iranische Nordwestgrenze eingeführt worden, melden die iranischen Nachrichtenagenturen. In einigen Fällen, so der Parlamentarier Eghbal Mohammadi, kooperierten Behörden und Verantwortliche bei der illegalen Einfuhr: „Vor allem, wenn es um große Mengen geht“, so Mohammadi.

Zwei Millionen Süchtige, darunter viele Alkoholabhängige, gebe es im Iran, sagte kürzlich Bagher Larijani, Mitarbeiter im iranischen Gesundheitsministerium. Die Lage sei kritisch, so Larijani: „Uns erreichen Berichte über Alkoholkonsumenten, vor allem aus den Krankenhäusern im südlichen Teil Teherans, die sehr besorgniserregend sind.“

Laut Angaben des Komitees zur Bekämpfung von Drogensucht wurden im Jahr 2008 etwa 200.000 Alkoholkranke registriert. Ihr Durschnittsalter liegt nach Angaben von Polizeikommandant Esmaiel Ahamdi Moghadam bei 20 Jahren.

Privat hergestellte Spirituosen

Jährlich veröffentlicht der Iran auch die Zahlen von Alkoholvergiftungen, als deren Ursache meist das Trinken von nicht standardgemäß hergestellten Spirituosen angegeben wird. Dabei handelt es sich um so genannte privat hergestellte oder handgemachte hochprozentige Alkoholika. Laut einem Bericht des iranischen Nachrichtenportals Khabar-online liegen die Ursachen für dieses Problem im Alkohol-Verbotsgesetz. “Da im Iran der Verkauf und das  Konsumieren von Alkohol untersagt sind, kaufen die Menschen geschmuggelte Ware oder privat hergestellten Alkohol. Der wird aber meist aus gefährlichen Zutaten gemixt oder beinhaltet medizinischen Alkohol, den es in jeder Apotheke zu kaufen gibt“, so Khabar-online.   

Dem jüngsten Bericht der iranischen Organisation für Gerichtsmedizin zufolge starben im Jahr 2011 etwa 93 Menschen durch Alkoholvergiftungen. 2010 waren es sogar 145 Personen, die Alkoholvergiftungen zum Opfer fielen.

FP