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Stummer Tod mit überwachter Beerdigung

Der inhaftierte iranische Gewerkschafter Afshin Osanlou starb an Herzversagen. Während offizielle Stellen behaupten, dass er im Krankenhaus gestorben sei, glaubt seine Familie, er sei bereits auf dem Weg ins Krankenhaus tot gewesen. Mehr zu den Hintergründen des Todesfalls. mehr »

Der iranische Sicherheitsdienst hatte die Familie Osanlou bereits vor der Beerdigung aufgefordert, keine große Trauerfeier zu organisieren. Alles solle unauffällig vonstatten gehen, es dürften keine regimekritischen Parolen fallen, warnten die Verantwortlichen die Angehörigen des im Gefängnis verstorbenen Gewerkschafter Afshin Osanlou, wie die Mutter des 42-Jährigen dem persischsprachigen TV-Sender Voice of Amerika (VOA) berichtete.

Doch trotz des Einsatzes zahlreicher Sicherheitskräfte, die mit Videokameras die Teilnehmer der Bestattungszeremonie überwachen sollten, fand die Beisetzung von Osanlou am Montag im Beisein von vielen Freunden und Aktivisten statt. Das berichteten Augenzeugen dem persischsprachigen Nachrichtenportal Kalameh. Ihren Berichten zufolge wurden Taschen durchsucht und einige Gäste auf dem Friedhof von Sicherheitsleuten befragt.

Ebenso wurde der Familie der Besuch der Moschee untersagt, die sie für die üblichen Trauerfeiern ausgewählt hatte. Im Iran versammeln sich die Angehörigen traditionell auch am siebten Tag nach der Beerdigung in der Moschee, um des Verstorbenen zu gedenken.

Tod nach vier Jahren Haft

Rajai-Shahr- Gefängnis befindet sich in der Nähe der Stadt Karaj etwa 40 Kilometer entfernt von der iranischen Hauptstadt Teheran

Rajai-Shahr- Gefängnis befindet sich in der Nähe der Stadt Karaj etwa 40 Kilometer entfernt von der iranischen Hauptstadt Teheran

Afshin Osanlou stammt aus einer Familie von Arbeiteraktivisten. Sein Vater und sein älterer Bruder Mansour Osanlou waren wie er bei der Teheraner Busfahrergewerkschaft aktiv. Osanlou wurde wegen seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten 2009 in Teheran verhaftet und zu fünf Jahren Haftstrafe verurteilt. Vor etwa einem Jahr wurde er ins Rajaie-Shahr-Gefängnis verlegt, wo er bis Februar 2014 seine noch verbliebene Haftzeit verbringen sollte. Am 21. Juni soll Osanlou dann wegen Herzversagens ins Krankenhaus eingeliefert worden sein, wo er am nächsten Tag starb. So lauten jedenfalls die offiziellen Meldungen zur Todesursache des 42-Jährigen. Osanlous Mutter sagte aber in einem Interview mit der VOA, sie hätte Informationen aus sicheren Quellen, dass ihr Sohn bereits im Gefängnis gestorben sei und seine Leiche ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Gefangene werfen Verantwortlichen Versagen vor       

Rund 44 politische Gefangene aus dem berüchtigten Trakt 350 des Teheraner Evin-Gefängnisses sprachen in einem öffentlichen Brief der Familie Osanlou ihr Beileid aus. In dem Brief werfen die Verfasser der iranischen Justiz „Ignoranz und Gleichgültigkeit“ vor: „Der Tod von Afshin Osanlou ist kein Einzelfall. Und er zeigt wieder, wie unachtsam die Verantwortlichen gegenüber dem gesundheitlichen Zustand der politischen Gefangenen und inhaftierten Gewerkschaftsaktivisten sind.“ Die Verfasser erinnern auch an den Fall des inhaftierten Journalisten Hoda Saber,              der vor zwei Jahren aus Protest einen Hungerstreik begann und nach zwölf Tagen am 11. Juni 2011 im Krankenhaus starb.

Katastrophale Zustände im Rajaei-Shahr-Gefängnis

Neben der unzureichenden medizinischen Versorgung leiden die Insassen des Rajaie-Shahr-Gefängnisses unter mangelnder Hygiene und schlechter Behandlung. Menschenrechtsaktivisten kritisieren seit langem die katastrophale Situation in dem Gefängnis. Das Gefängnis befindet sich in der Nähe der Stadt Karaj etwa 40 Kilometer entfernt von der iranischen Hauptstadt Teheran. Bei den meisten der dort Inhaftierten handelt es sich um Drogensüchtige, drei Viertel sollen in der Haftanstalt starke Medikamente wie Beruhigungsmittel bekommen, berichten iranische Online-Portale.

Ende Mai 2012 meldete das persischsprachige Nachrichtenportal Kalameh, dass innerhalb einer Woche sieben Insassen des Gefängnisses gestorben seien. Darunter soll sich auch ein politischer Gefangener befunden haben. Die genauen Ursachen der Todesfälle waren laut Kalameh nicht bekannt. Drei der sieben Toten sollen durch Herzinfarkte verstorben sein. In dem Bericht hieß es auch, dass monatlich durchschnittlich 15 Menschen im Rajaie-Shahr-Gefängnis sterben.

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